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Peru

Millionen-Strafe für Glencore-Tochterfirma

Es ist längst bekannt, dass Bergbauaktivitäten gravierende Schäden an Umwelt und Gesundheit zur Folge haben. Trotzdem bestreiten Unternehmen wie der Schweizer Konzern Glencore seit Jahren ihre Verantwortung. Nun wurde dessen Tochterfirma Antapaccay in Peru mit einer hohen Buße belegt.

Leben ja, Mine nein: Wandbilder zeugen vom Widerstand der Bevölkerung gegen den Bergbau. © Nicole Maron

«Seit 40 Jahren werden im südperuanischen Espinar Kupfer und andere Metalle abgebaut – mit großem Gewinn für das Bergbauunternehmen Antapaccay und erheblichen Schäden für die lokale Bevölkerung (siehe Bericht auf Tentakel). Dabei handelt es sich um eine Tochterfirma des Schweizer Konzerns Glencore, einem der größten Rohstoffhändler der Welt. Das Unternehmen vertritt den Diskurs, dass der Bergbau Fortschritt bringe – doch die lokale Bevölkerung sieht davon nicht viel. Eine Studie von Amnesty International aus dem Jahr 2021 zeigt, dass die Bevölkerung der 13 Gemeinden im Einflussbereich des Glencore-Bergwerks in Armut lebt, ganz abgesehen von gesundheitlichen Problemen aufgrund der Verschmutzung von Luft, Böden und Wasserquellen durch den Bergbau.

Bewohnerinnen der Gemeinden rund um das Bergwerk beklagen, dass ihre Tiere auf Grund der Kontamination sterben. © Vidal Merma

 

Glencore betonte anlässlich von Protesten während der Aktionärsversammlung 2025 zum wiederholten Mal, dass es sich bei Espinar um eine «natürlich mineralisierte» Zone handelt und dass es keinen Zusammenhang zwischen der Kontamination und der Bergbauaktivität gibt. Dies obwohl eine breit aufgestellte Studie des peruanischen Organismus für Evaluierung und Durchsetzung von Umweltrecht (OEFA) dieses Narrativ schon im Jahr 2022 klar widerlegt hat. Eine Evaluation, die an 38 verschiedenen Punkten sieben verschiedene Komponenten wie Luft- und Wasserverschmutzung, Lärmbelastung sowie Schäden an Flora und Fauna untersuchte, kam zum Ergebnis, dass die Deponien, Abraumhalden und Bergbaubetriebe von Glencore/Antapaccay tatsächlich die Quelle der Verschmutzung in Espinar darstellen. Konkret:

  • Durch die bei der Kupferförderung zum Einsatz kommenden Methoden in den Glencore-Bergwerken werden Wasserquellen sowie Grundwasser verseucht. Dabei gelangen toxische Schwermetalle wie Arsen, Mangan, Blei und Quecksilber in die Flüsse.
  • Das kontaminierte Wasser vergiftet Weideflächen und Tiere.
  • Es liegt ein direkter Zusammenhang zwischen den Bergbauaktivitäten und der Verseuchung von Böden sowie Luftbelastung vor, unter anderem durch schwermetallhaltigen Feinstaub.
  • Wasserquellen sind versiegt, und die Trinkwasserversorgung der umliegenden indigenen Gemeinden ist stark beeinträchtigt.
  • An verschiedenen Stellen ist der Grundwasserspiegel abgesunken.

Auf die Studie angesprochen, sagte Glencore, dass das Unternehmen einen internationalen Umweltberater und zwei peruanische Universitäten mit Fachkenntnissen in chemischer Analyse beauftragt habe, die den Bericht des OEFA geprüft hätten und zum Schluss gekommen seien, dass die Verschmutzung nichts mit den Aktivitäten von Glencore/Antapaccay zu tun habe. Wie die peruanische Umwelt-NGO CooperAcción betont, liegen jedoch keine öffentlichen Informationen zu so einem Bericht vor, der lediglich «aus den Aussagen des CEO bekannt» sei.

Die indigenen Gemeinden liegen direkt neben der giftigen Abraumhalde. © Nicole Maron


«Eine gründliche Umweltbewertung»
Mit dem OEFA-Bericht befasst hat sich auch Bernhard Wehrli, emeritierter Chemie-Professor der ETH Zürich. In einem unabhängigen Expertenurteil kam er zum Schluss, dass das Vorgehen des OEFA bezüglich Dokumentation der Untersuchungsstandorte, Probenahmeverfahren, Analysemethoden und Datenanalysen «einen hohen professionellen und wissenschaftlichen Standard aufweist, der eine Rückverfolgung jeder numerischen Angabe dieser Studie ermöglicht» und dass «die Bewertung und Interpretation der Daten hinsichtlich der Wasserqualität auf anerkannten nationalen und internationalen Standards für Wasser- und Sedimentqualität sowie aquatische Biodiversität basiert». Zusammen mit der Überwachung von Grundwasserbrunnen und hydrologischen Informationen ließen die Daten klare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen den Bergbauaktivitäten in dem Gebiet und der bergbaubedingten Wasserverschmutzung ableiten.

«Die Betreiber müssen von den Behörden kritisch überwacht werden.»

Unter anderem erwähnt Wehrli die Kontaminierung der Wasserquellen mit einer sehr hohen Salzkonzentration, die es sowohl für die Trinkwasserversorgung als auch für die Bewässerung ungeeignet mache, und das Grundwasser weise eine hohe Mangankonzentrationen auf. «Zusätzlich zu diesen Beispielen gibt es Hinweise darauf, dass Bergbauunternehmen aktiv unnötige Kontaminationswege geschaffen haben», so Wehrli. Zum Beispiel durch die Verwendung von Bergbauabfällen für den Straßenbau, was zu einer weiteren Kontamination des Grundwassers und der Flüsse führte. Die OEFA-Studie hält der Schweizer Wissenschaftler für «eine der umfassendsten und gründlichsten Umweltbewertungen, die dieser Gutachter je gesehen hat» – doch sie könne nur ein erster Schritt sein. «Um den Bergbau in dieser sensiblen Umgebung auf internationales Niveau zu bringen, müssen die Betreiber bewährte Verfahren für die Abraumentsorgung, die Eindämmung und die Umweltsanierung der Deponien sowie eine verbesserte Aufbereitung und Wiederverwertung des Grubenwassers umsetzen und von den Behörden kritisch überwacht werden.» Auch wird zu einem inklusiven Dialog mit der lokalen Bevölkerung geraten, wie er mittlerweile in vielen Ländern Standard sei.

Wegen Luftverschmutzung verurteilt
Tatsächlich verhängte der OEFA mehr als drei Jahre nach Veröffentlichung seiner Studie, im Oktober 2025, eine Strafe über fast eineinhalb Millionen Euro für Glencore/Antapaccay. Begründung: «Das Unternehmen hat seine Verpflichtung zur Umsetzung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen zur Vermeidung und/oder Minderung der Auswirkungen von PM10-Feinstaub, der durch die Bergbauaktivitäten entsteht, auf die Flora und Fauna der betroffenen Gebiete nicht erfüllt.» Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Urteil nicht – wie in solchen Fällen leider üblich – in zweiter Instanz abgeschmettert wird. Das Unternehmen hat bereits Berufung eingelegt. Betroffene sind sich dagegen einig, dass die Geldstrafe zwar ein Fortschritt ist, aber bei weitem nicht ausreicht, um das Problem in seiner ganzen Tiefe anzugehen. Ganz abgesehen davon, dass die Strafe nur die Luftverschmutzung in Betracht ziehe, während die Auswertung von weiteren Schäden wie der Kontamination von Böden und Gewässern noch ausstehe.

Die Bevölkerung in der Provinz Espinar lebt in marginalen Verhältnissen. © Nicole Maron

 

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